Aktivist Raúl Krauthausen diskutiert über seine Vision von Inklusion

In seiner Wortwahl ist Raúl Aguayo-Krauthausen nicht zimperlich. „Zwischen Sorgenkind und Superkrüppel“ lautet der Titel seiner Diplomarbeit, seine Biografie heißt „Dachdecker wollte ich eh nicht werden“. Am Montag, 15. Juni, war der Berliner Aktivist und Rollstuhlfahrer Impulsredner beim 8. „Abschlag, die Klosterdebatte“ im Kloster Lobenfeld – die provokative Überschrift seines Vortrags: „Vision Inklusion – Früher oder später werden wir alle behindert sein“.

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Raúl Krauthausen diskutiert mit Manfred Sauer, dem Gründer und Geschäftsführer der Manfred Sauer GmbH, über Inklusion in der Arbeitswelt.

„Eine so intensive Diskussion mit so viel Tiefgang, Weite und Persönlichem gab es hier noch nie“, bedankte sich Gastgeberin Dr. Sabine Bayreuther vom Geistlichen Zentrum Klosterkirche Lobenfeld am Ende des Abends bei Raúl Aguayo-Krauthausen und den über 100 Gästen, die die lebhafte Debatte aktiv mitgeprägt hatten. Unterhaltsam und ohne Rücksicht auf vermeintliche Tabus erzählte Raúl Aguayo-Krauthausen von seinem Leben als „Glasknochenbesitzer“ und davon, wie er zum Behinderten-Aktivisten wurde, der er ursprünglich nie sein wollte. Seine Vision von Inklusion? „Eine Gesellschaft, in der alle alles erreichen können, was ihnen möglich scheint!“ Der 34-Jährige ist überzeugt, dass diese Vision Realität werden kann, es müsse nur jemand geben, der sagt: „Es geht auch anders!“

Dann war das Publikum gefragt: Entsprechend dem bewährten Abschlag-Format waren neben dem Redner auf dem Podium zunächst drei Stühle frei, auf denen Besucher Platz nehmen, Fragen stellen oder von eigenen Erfahrungen berichten konnten. Per „Abschlag“ wurde das Rederecht jeweils weitergegeben. In rascher Folge lösten die Diskutanten einander ab und zeigten damit, wie sehr die Inklusion vielen auf den Nägeln brennt. Die Themen, die angeschnitten wurden, reichten von Privilegien für Behinderte (beibehalten oder besser abschaffen?) bis hin zur Prä-Implantations-Diagnostik (hilfreich oder ethisch verwerflich?). Eindrucksvoll schilderte die Mutter eines geistig behinderten Mädchens ihre Sicht auf die „Verlierer der Inklusion“: die Menschen, die in den Behinderten-Einrichtungen „zurückbleiben“ und keine Lobby haben. Viel Raum nahm erwartungsgemäß die Diskussion um Inklusion an der Schule ein. Darüber, dass das Schulsystem sich ändern müsse, bestand Einigkeit. Nur wie? Krauthausens Standpunkt in dieser Frage ist klar: Er ist dagegen, die Kinder den Schulen anzupassen, statt die Schulen den Kindern. Sein Plädoyer: „Wir brauchen die Spinner, diejenigen, die ewig piesacken und die sagen: Wir brauchen die Inklusion jetzt! – denn dann haben wir sie vielleicht in zehn Jahren.“

„Abschlag, die Klosterdebatte“ ist eine gemeinsame Initiative der Evangelischen Stiftung Pflege Schönau, des Geistlichen Zentrums Klosterkirche Lobenfeld, Kontext Kommunikation und katharina schürer Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. Im Fokus der Veranstaltungsreihe stehen aktuelle Themen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die 9. Auflage findet im Oktober 2015 statt.

Weitere Infos unter: www.facebook.com/abschlag

 

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