Deutscher Knigge-Rat: 10 Tipps für den respektvollen Umgang mit behinderten Menschen

Foto: CC BY-SA 2.0, Sascha Kohlmann
Foto: CC BY-SA 2.0, Sascha Kohlmann

„Auf Wiedersehen“ zu einem blinden Menschen ist okay – neugieriges Anstarren nicht

Auch blinde Menschen spüren wenn sie angestarrt werden. Sich von ihnen mit einem „Auf Wiedersehen“ zu verabschieden, ist hingegen kein Fauxpas. Blinde Menschen verstehen dies als allgemein gültige Redewendung, genauso wie auch eine Rollstuhlfahrerin eine Einladung zu einem „Spaziergang“ in Ordnung findet. Beim Small Talk sofort nach dem Grund der Beeinträchtigung zu fragen, das hingegen verletzt die Intimsphäre der meisten Personen und hat mit Mitgefühl nichts mehr zu tun, so der Deutsche Knigge-Rat (www.knigge-rat.de). Bei seiner letzten Sitzung in Bonn hatte der Rat sich mit Experten für Umgangsformen gegenüber Menschen mit Behinderungen ausgetauscht.

„Nichtbehinderte sind im Umgang mit Menschen mit Behinderungen oftmals selbst blind, taub und unbeholfen. Sie reduzieren den Menschen allein auf dessen Beeinträchtigung. Plumpe Neugier, bestürztes Mitleid und bevormundende Hilfsbereitschaft sind oftmals die Folgen. Was vielleicht gut gemeint war, ist letztlich verletzend oder diskriminierend“, berichtet Katja Lüke von „Der PARITÄTISCHE Hessen e.V“.

Kommunikation – das Auge für den blinden Menschen

Gegenüber blinden Menschen könne man viel falsch machen, erzählt Lüke. „Sie sind auf Ordnung und detailreiche Kommunikation angewiesen.“ Es ist höflich Ihnen den Alltag zu erleichtern: Alles was sich um sie herum bewegt, kommt und geht, sollte kommuniziert werden. „Ansonsten spricht der Mensch mit Sehbehinderung plötzlich mit jemandem, der gar nicht mehr da ist.“

Wird ein blinder Mensch aber auf Veränderungen und Vorgänge in seiner unmittelbaren Umgebung aufmerksam gemacht, kann er sich vor seinem inneren Auge ein Bild von dem machen, was der Sehende sieht. Und eines geht gar nicht: Den Blindenhund ungefragt zu streicheln. „Denn der ist bei der Arbeit und darf nicht abgelenkt werden.“

Fragen und Antworten

Insgesamt hat der Deutsche Knigge-Rat in Zusammenarbeit mit Katja Lüke, anderen Experten und Menschen mit Behinderung zehn wichtige Tipps für den respektvollen Umgang mit behinderten Menschen zusammengefasst. So passiert es vielen Menschen mit Behinderungen, dass sie in der Anrede einfach übergangen werden und die Begleitperson z.B. gefragt wird: „Möchte Ihr Mann noch etwas zu trinken?“ Katja Lüke dazu: „Haben Sie keine Hemmungen, den Menschen mit Behinderung direkt anzusprechen.“ Und ein weiterer Merksatz: Schwerhörige sind nicht begriffsstutzig. Dass man sein Gegenüber beim Gespräch anschaut und deutlich spricht, wird allgemein als wertschätzend empfunden. Für Schwerhörige sind diese höflichen Regeln der Kommunikation aber besonders wichtig.

Hier gibt es die 10 Tipps zum Download.

Zu diesem Thema empfehlen wir Ihnen das Buch „Respektvolle Begegnungen“ von Kurt Jacobs, welches sich tiefer mit diesen Fragestellungen auseinandersetzt.

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