Münchener Verkehrsgesellschaft testet Bahnsteigerhöhungen

Barrierefreie Bahnhöfe
Oswald Utz, Behindertenbeauftragter der Landeshauptstadt München, testet die partielle Bahnsteigsteigerhöhung im U-Bahnhof Scheidplatz. Quelle: SWM/MVG

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) startet in drei U-Bahnhöfen einen Praxistest mit stationären Zustiegshilfen für Rollstuhlfahrer. In diesen Tagen werden die Bahnsteige am Scheidplatz (U2/U3/U8), am Hauptbahnhof (U1/U2/U7/U8) und am Sendlinger Tor (U1/U2/U7/U8 und U3/U6) versuchsweise mit den leuchtend gelben Kunststofframpen ausgestattet. Diese partiellen Bahnsteigerhöhungen sollen U-Bahn-Fahrgästen mit Rollstuhl den Zu- und Ausstieg erleichtern. Die Rampen werden am Bahnsteig jeweils auf Höhe der ersten Zugtür montiert; nur diese befindet sich bei den verschiedenen Fahrzeugtypen der Münchner U-Bahn ungefähr an derselben Stelle.
MVG-Chef Herbert König: „Der Test soll zeigen, ob sich die Rampen im Alltagsbetrieb bewähren. Dabei stehen ganz praktische Fragen im Vordergrund, etwa nach der Haltbarkeit des Materials, dem Wartungsaufwand und der Resonanz der Fahrgäste. Der Pilotversuch ist ein weiterer Baustein aufunserem Weg, den hohen Standard der Barrierefreiheit in der Münchner U-Bahn weiter verbessern zu wollen. Dabei arbeiten wir mit den Behindertenvertretern in der Stadt München zusammen.“
Oswald Utz, Behindertenbeauftragter der Landeshauptstadt München: „Ich freue mich sehr, dass es uns gemeinsam gelungen ist, ein Pilotprojekt zur Überwindung der Höhendifferenz zwischen Bahnsteig und U-Bahnwagen zu starten. Wenn dieses Pilotprojekt erfolgreich ist, könnten wir dem Ziel einer völlig barrierefreien U-Bahn wieder ein gutes Stück näher kommen. Ein barrierefreier ÖPNV trägt auch zur Sicherheit und zügigen Abfertigung an den Bahnhöfen bei und ist somit auch für die MVG von großem Nutzen.“
Die drei Test-Bahnhöfe stammen – wie etwa die Hälfte der Münchner U-Bahnhöfe – aus einer Bauzeit, in der die Stadt die Bahnsteige der Münchner U-Bahn noch mit einer Höhe von 100 Zentimetern über
Schienenoberkante realisierte. Daraus ergeben sich für den Zu- und Ausstieg rund zehn Zentimeter Höhendifferenz zwischen Bahnsteig und Zug. Später gebaute U-Bahnhöfe verfügen über fünf Zentimeter höhere Bahnsteige.
Ob die größere Höhendifferenz an den älteren Bahnhöfen durch die Kunststofframpen ausgeglichen werden könnte, soll der Test zeigen. Im Rahmen des Betriebsversuchs werden sieben Bahnsteige mit jeweils einer Rampe pro Bahnsteigkante ausgestattet. Die insgesamt zwölf Rampen wurden eigens für die MVG gefertigt und im Vorfeld mit den Behindertenverbänden getestet und abgestimmt.
Jede Rampe besteht aus fünf Teilen, ist gut 5 Meter lang und 75 Zentimeter tief. Für eine Erkennbarkeit auf den ersten Blick sind die Elemente durchgängig gelb gefärbt. Sie werden so angebracht, dass sie den Fahrgastfluss am Bahnsteig nicht beeinträchtigen, nämlich auf dem Sicherheitsstreifen zwischen Blindenleitstreifen und Bahnsteigkante. Die Neigung steigt sanft an, am Scheitelpunkt sind die Rampen sechs Zentimeter hoch. Der Kunststoff ist rutschfest. Die Befestigung am Bahnsteig erfolgt mittels Bohrschrauben.
Die ersten Rampen wurden jetzt im U-Bahnhof Scheidplatz in Betrieb genommen. Diese Station nutzen wegen der nahen Stiftung Pfennigparade viele Rollstuhlfahrer. Der Einbau an den hoch frequentierten Innenstadt-Stationen Hauptbahnhof und Sendlinger Tor sollten direkt im Anschluss folgen. In diesen beiden Bahnhöfen kann der Testeinsatz im morgendlichen Berufsverkehr auch von den Verkehrsmeistern der MVG beobachtet werden, die dort die Abfertigung der Züge unterstützen. Der Pilotversuch ist von der zuständigen Technischen Aufsichtsbehörde bei der Regierung von Oberbayern genehmigt und läuft rund ein Jahr. Nach Auswertung der Ergebnisse wird über das weitere Vorgehen entschieden.

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